Drei-Filter-Modell: Für mehr Orientierung an der Börse
Ein regelbasierter Ansatz mit drei Indikatoren, der Drawdowns begrenzt, Kapital schützt und in den entscheidenden Marktphasen dennoch voll investiert ist.
Wer sich intensiver mit technischer Analyse beschäftigt, landet früher oder später bei einer paradoxen Beobachtung:
Je mehr Indikatoren man hinzufügt, desto unklarer werden die Entscheidungen.
Oszillatoren widersprechen gleitenden Durchschnitten, Signallinien kreuzen zu früh oder zu spät und aus einem ursprünglich klaren Marktbild wird ein Flickenteppich aus Bestätigungen und Gegenargumenten. Das Problem ist dabei selten der einzelne Indikator, sondern die fehlende Struktur im Zusammenspiel.
Dieser Beitrag folgt daher einem bewusst reduzierten, regelbasierten Ansatz. Er basiert auf der Überzeugung, dass drei klug gewählte Filter ausreichen, um die wesentlichen Marktinformationen systematisch abzudecken:
die übergeordnete Trendrichtung
das Momentum
sowie die Trendstärke
Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
Disclaimer:
Die von mir auf Substack veröffentlichten Analysen und Texte stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Ich veröffentliche hier lediglich meine persönliche Meinung.
Aktien, ETFs und Fonds sind immer mit Risiken behaftet – auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.
Trotz sorgfältiger Recherche kann für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen und Unterlagen keine Haftung übernommen werden.
🧩 Warum drei Indikatoren oft ausreichen
1. Die Illusion der zusätzlichen Sicherheit
Viele Marktteilnehmer nutzen fünf, sieben oder mehr Indikatoren in der Hoffnung, Fehlsignale weiter zu reduzieren. In der Praxis entsteht jedoch häufig das Gegenteil:
Mehr Indikatoren bedeuten nicht zwangsläufig mehr Information, sondern oft mehr Redundanz.
Zahlreiche Werkzeuge der technischen Analyse basieren auf denselben Preisdaten, oftmals mit nur leicht unterschiedlichen mathematischen Transformationen. Ein RSI, ein Stochastic Oscillator oder ein CCI mögen optisch verschieden erscheinen, messen aber häufig sehr ähnliche Zustände – etwa kurzfristige Überkauft- oder Überverkauft-Phasen.
👉 Das Resultat: scheinbare Bestätigung, ohne echten zusätzlichen Erkenntnisgewinn.
Statt Klarheit entsteht ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, das im entscheidenden Moment eher lähmt als hilft.
2. Struktur statt Signaljagd
Ein funktionierendes Regelwerk sollte weniger darauf abzielen, jeden Marktimpuls zu „erwischen“, sondern vielmehr darauf, unterschiedliche Marktregime sauber zu unterscheiden:
Befindet sich der Markt in einem übergeordneten Aufwärtstrend?
Unterstützt das Momentum diese Bewegung?
Ist die Trendstärke ausreichend, um investiert zu bleiben?
Diese Fragen lassen sich deutlich klarer beantworten, wenn jeder Indikator eine eindeutig definierte Rolle übernimmt – ohne inhaltliche Überschneidungen.
Nicht die Anzahl der Signale ist entscheidend, sondern deren Einordnung in ein konsistentes Gesamtbild.
3. Keep it simple – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Disziplin
Ein einfaches System ist kein primitives System. Im Gegenteil: Reduktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Regeln konsequent eingehalten werden – insbesondere in stressigen Marktphasen.
Ein Regelwerk, das aus wenigen, verständlichen Bausteinen besteht, lässt sich:
👍 leichter überprüfen,
👍 leichter hinterfragen,
👍 und vor allem: langfristig durchhalten.
Gerade bei strategischen Entscheidungen – etwa bei Index- oder Kerninvestments – ist diese psychologische Komponente nicht zu unterschätzen. Komplexität scheitert selten an der Theorie, sondern meist an der Umsetzung.
4. Drei Indikatoren, drei Aufgaben
Vor diesem Hintergrund bietet sich eine klare Rollenverteilung an:
Trendfilter: Gibt die übergeordnete Richtung vor.
Momentum: Bestätigt oder widerspricht der laufenden Bewegung.
Trendstärke: Trennt nachhaltige Trends von Seitwärtsphasen.
Mehr Indikatoren würden diese Struktur nicht verbessern – sondern verwässern. Drei sauber abgegrenzte Filter hingegen schaffen ein belastbares Fundament für regelbasierte Entscheidungen.
🧱 Die drei Bausteine des Modells und ihre Logik
1. Der Trendfilter: Weekly SMA 30
Der 30-Wochen-Simple-Moving-Average fungiert als übergeordneter Trendanker. Seine Aufgabe ist nicht kurzfristiges Timing, sondern die Erkennung des vorherrschenden Marktregimes.
📈 Oberhalb des SMA 30 befindet sich der Markt strukturell in einem Aufwärtstrend.
📉 Unterhalb signalisiert er erhöhte Vorsicht und ein ungünstigeres Chance-Risiko-Verhältnis.
Der zentrale Vorteil eines Weekly-Trendfilters liegt in seiner Robustheit: Kurzfristige Schwankungen verlieren an Bedeutung, während größere Trendwechsel klarer sichtbar werden. Gerade für Indizes, die von Natur aus breit diversifiziert und vergleichsweise träge sind, ist diese Perspektive besonders geeignet.
2. Das Momentum: MACD > 0
Der MACD übernimmt im Modell die Rolle des Impulsfilters. Entscheidend ist dabei nicht das Kreuzen der Signallinie, sondern ausschließlich die Position relativ zur Nulllinie.
➕ MACD > 0 zeigt, dass das mittelfristige Momentum positiv ist.
➖ Negative Werte deuten auf nachlassende oder gegenläufige Kräfte hin.
In Kombination mit dem Trendfilter verhindert der MACD, dass man in strukturell schwachen Phasen allein aufgrund steigender Kurse investiert bleibt. Er wirkt damit als zusätzliche Absicherung gegen trügerische Erholungen innerhalb übergeordneter Abwärtstrends.
3. Die Trendstärke: RSI ≥ 55
Der RSI wird hier nicht als klassischer Überkauft-/Überverkauft-Indikator eingesetzt, sondern als Filter für Trendstärke.
Ein RSI oberhalb von 55 signalisiert:
↗️ anhaltende Nachfrage,
↗️ relative Stärke gegenüber Korrekturbewegungen,
↗️ und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit für Trendfortsetzung.
Damit ergänzt der RSI die beiden anderen Bausteine um eine qualitative Dimension: Er beantwortet nicht nur die Frage, wo der Markt steht, sondern wie überzeugend er sich dort behauptet.
4. Zusammenspiel statt Einzelbetrachtung
Erst das Zusammenspiel der drei Komponenten erzeugt ein konsistentes Gesamtbild:
Der Trendfilter definiert das Spielfeld.
Das Momentum bestätigt die Bewegungsrichtung.
Die Trendstärke entscheidet über Engagement oder Zurückhaltung.
Keiner der Indikatoren ist für sich genommen perfekt. Gemeinsam bilden sie jedoch ein Regelwerk, das weder überoptimiert noch beliebig ist – und genau darin liegt seine Stärke.
🧠 In meinem Beitrag Den Markt lesen statt dem Bauch zu folgen: Mit regelbasierter Marktanalyse zu mehr Orientierung skizziere ich einen breiteren Analyseansatz auf Basis von sieben Kriterien. Wer über dieses bewusst reduzierte Drei-Filter-Modell hinaus weitere strukturelle Orientierung sucht, findet dort ergänzende Gedanken.
🔍 Praxisbeispiel: Der S&P 500 im 5-Jahres-Rückblick
Um die Stärken und Grenzen des beschriebenen Drei-Filter-Modells greifbar zu machen, lohnt sich der Blick auf einen konkreten Marktverlauf. Der folgende Wochenchart des S&P 500 von der Chart- und Analyseplattform TradingView.com [Affiliate-Link (*)] umfasst den Zeitraum ab 2020 und wurde anhand der zuvor definierten Regeln ausgewertet:
Einstieg (grün):
Wochenschlusskurs > SMA 30 und MACD > 0 und RSI ≥ 55Ausstieg (rot):
Wochenschlusskurs < SMA 30 und zusätzlich Bruch eines weiteren Kriteriums (MACD ≤ 0 oder RSI < 55)
Die Pfeile im Chart markieren jene Zeitpunkte, an denen das Modell ein Investiert- bzw. Nicht-investiert-Signal geliefert hätte.
Phase 1: Erholung und Bullenmarkt nach dem Corona-Schock (2020–2021)
Nach dem abrupten Corona-Crash im Frühjahr 2020 setzt eine dynamische Erholungsbewegung ein. Der S&P 500 etabliert relativ zügig wieder eine stabile Aufwärtsstruktur:
Der Weekly-SMA 30 wird zurückerobert und anschließend verteidigt.
Der MACD dreht nachhaltig in den positiven Bereich.
Der RSI pendelt sich überwiegend oberhalb von 55 ein – ein klares Zeichen robuster Trendstärke.
➡️ Ergebnis:
Die drei Komponenten signalisieren frühzeitig wieder „investiert sein“ und bleiben während des gesamten Bullenmarktes aktiv. Kleinere Konsolidierungen oder kurzfristige Rücksetzer führen nicht zu Fehlsignalen. In dieser Phase verhält sich der Ansatz nahezu identisch zu Buy & Hold – mit dem Unterschied, dass es zusätzliche strukturelle Orientierung liefert.
Phase 2: Trendbruch und Bärenmarkt im Zuge der Zinswende (2022)
Mit der geldpolitischen Wende im Jahr 2022 verändert sich das Marktumfeld grundlegend:
Der Index unterschreitet den Weekly-SMA 30 und kann ihn mehrfach nicht zurückerobern.
Der MACD fällt deutlich unter die Nulllinie.
Der RSI verbleibt über längere Zeit unterhalb der 55-Schwelle.
➡️ Ergebnis:
Das Drei-Filter-Modell führt relativ früh zu einem Ausstieg und hält sich während großer Teile des Bärenmarktes konsequent außerhalb des Marktes.
Im Vergleich zu Buy & Hold liegt hier der zentrale strukturelle Vorteil:
Drawdowns werden spürbar reduziert.
Kapital bleibt für spätere Wiedereinstiege erhalten.
Emotionale Fehlentscheidungen in Abwärtsphasen werden systematisch vermieden.
Der Preis dafür ist klar: kein exakter Verkauf am Hoch – was jedoch ausdrücklich nicht Ziel dieses Ansatzes ist.
Phase 3: Bodenbildung und neue Trendaufnahme (2023–2024)
Nach einer längeren Bodenbildungsphase beginnt der Markt erneut eine tragfähige Aufwärtsstruktur auszubilden:
Der Kurs etabliert sich wieder oberhalb des SMA 30.
Der MACD dreht zunächst zögerlich, dann stabil in den positiven Bereich.
Der RSI überschreitet wieder die 55-Marke und bestätigt zunehmende Trendstärke.
➡️ Ergebnis:
Der Wiedereinstieg erfolgt nicht am Tiefpunkt, sondern erst nach bestätigter Trendaufnahme. Ein Teil der initialen Erholung bleibt ungenutzt, dafür sinkt das Risiko eines erneuten Fehlsignals deutlich.
Phase 4: Scharfe Korrektur und V-förmige Erholung (2025)
Besonders lehrreich ist die jüngste Phase:
Der S&P 500 fällt mehrere Wochen klar unter den Weekly-SMA 30.
Der MACD rutscht deutlich unter die Nulllinie.
Der RSI unterschreitet zeitweise klar die 55-Marke.
➡️ Das Drei-Filter-Modell löst regelkonform einen Ausstieg aus.
Die anschließende Erholung verläuft dynamisch. Dennoch gilt:
Der Wiedereinstieg erfolgt erst, als alle drei Kriterien erneut erfüllt sind.
Ein Teil der V-förmigen Bewegung bleibt ungenutzt.
➡️ Ergebnis:
Kein perfektes Timing – aber ein konsistenter, reproduzierbarer Prozess. Genau hier zeigt sich der Charakter des Systems: Der Schutz vor bestätigten Trendbrüchen hat Vorrang vor dem Anspruch, jede kurzfristige Bewegung mitzunehmen.
Qualitative Einordnung gegenüber Buy & Hold
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
In klaren Bullenmärkten nähert sich die Performance der von Buy & Hold an.
In Bärenmärkten und Übergangsphasen liegt die große Stärke des Modells:
in geringere Drawdowns
in geringere Volatilität
sowie einer höherer psychologischer Tragfähigkeit
Das Drei-Filter-Modell ist kein Rendite-Maximierer, sondern ein Orientierungs- und Risikomanagement-Werkzeug. Es ersetzt keine langfristige Marktrendite, sondern strukturiert den Weg dorthin.
Mögliche Weiterentwicklungen und Adaptionen
Abschließend einige Ideen, wie das Grundkonzept weiter verfeinert werden kann:
Teilinvestitionsstufen:
Statt 0/100 % könnten z.B. 50 % beim ersten Signal und die restlichen 50 % bei bestätigter Trendfortsetzung investiert werden.Re-Entry-Filter:
Zusätzliche Mindestabstände zum SMA oder Wartewochen nach starken Abverkäufen.Kombination mit Rebalancing-Logik:
Nutzung des Signals zur taktischen Über- bzw. Untergewichtung von Aktien gegenüber Cash oder Anleihen.Individuelle Anpassung der Schwellenwerte:
Etwa RSI 50 statt 55 für defensivere Anleger – mit entsprechend höherem Risiko von Fehlsignalen.
All diese Anpassungen ändern nichts am Kern des Ansatzes:
Einfachheit, Klarheit und Regelgebundenheit stehen über dem Anspruch auf perfektes Timing.
🧭 Zielsetzung, Erwartungshaltung und Grenzen des Ansatzes
Regelbasierte Marktansätze entfalten ihren größten Nutzen nicht dort, wo sie Perfektion versprechen, sondern dort, wo sie realistische Erwartungen setzen. Auch das hier vorgestellte Drei-Filter-Modell ist kein Instrument zur Maximierung kurzfristiger Renditen, sondern ein Werkzeug zur Orientierung, Strukturierung und Stabilisierung des langfristigen Investitionsprozesses.
1. Orientierung im Markt statt Bauchgefühl
Eine zentrale Zielsetzung des Ansatzes ist es, dem Anleger eine klare Standortbestimmung zu ermöglichen:
Befinden wir uns in einem bestätigten Aufwärtstrend?
Ist das Marktumfeld konstruktiv oder fragil?
Spricht die Marktstruktur aktuell für Investiertsein oder Zurückhaltung?
Die Kombination aus Trendfilter (SMA 30), Momentum (MACD) und Trendstärke (RSI) reduziert die Komplexität des Marktes auf wenige, nachvollziehbare Zustände. Das ersetzt keine eigene Marktmeinung, hilft jedoch, emotionale Kurzschlüsse und impulsive Entscheidungen zu vermeiden.
2. Reduzierung von Drawdowns als zentrales Gestaltungsziel
Ein oft unterschätzter Hebel langfristigen Anlageerfolgs ist nicht die Maximierung von Gewinnen, sondern die Begrenzung größerer Verlustphasen. Das Modell akzeptiert bewusst, dass Hochpunkte nicht getroffen und Tiefpunkte nicht gekauft werden.
Stattdessen zielt es darauf ab, strukturelle Abwärtsphasen frühzeitig zu erkennen und große Drawdowns zu vermeiden. Wie das Praxisbeispiel zeigt, liegt hier der größte qualitative Vorteil gegenüber einem reinen Buy-&-Hold-Ansatz – insbesondere in ausgeprägten Bärenmärkten oder Übergangsphasen.
3. Kapitalerhalt in Bärenmärkten als strategischer Vorteil
Kapitalerhalt ist keine defensive Haltung, sondern eine aktive strategische Entscheidung.
Das Drei-Filter-Modell ist genau auf diese Unterscheidung ausgelegt: Nicht jede Korrektur führt zu einem Ausstieg, wohl aber ein bestätigter Trendbruch. In diesem Fall wird das Kapital bewusst aus dem Markt genommen.
In der anschließenden Abwärts- oder Übergangsphase besteht die Strategie nicht im hektischen Wiedereinstieg, sondern im gezielten Abwarten, bis erneut ein tragfähiger Aufwärtstrend bestätigt ist. Dieses bewusste Nicht-Investiert-Sein ist keine verpasste Chance, sondern ein integraler Bestandteil des Risikomanagements.
4. Sequenzrisiko: Verluste wirken stärker als Gewinne
Ein weiterer Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist das sogenannte Sequenzrisiko. Große Verluste zu Beginn oder in der Mitte eines Anlagezeitraums wirken sich überproportional negativ auf das langfristige Kapitalwachstum aus.
Ein Ansatz, der schwere Einbrüche begrenzt, kann daher trotz zwischenzeitlich verpasster Renditephasen langfristig robuster sein – selbst dann, wenn die nominale Endrendite nicht immer über Buy & Hold liegt.
5. Kein Anspruch auf optimales Timing
Ein zentraler Punkt und zugleich eine häufige Quelle falscher Erwartungen betrifft das Thema Timing. Das Drei-Filter-Modell erhebt explizit keinen Anspruch auf perfektes Markt-Timing:
Nach starken Korrekturen erfolgt der Wiedereinstieg in der Regel erst nach bestätigter Trendaufnahme und damit unter Umständen zu spät.
Verkäufe erfolgen nicht am absoluten Hoch, sondern nach einem strukturellen Trendbruch.
Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Designentscheidung. Optimales Timing ist:
nicht systematisch reproduzierbar
häufig das Ergebnis von Zufall oder Glück
im Nachhinein leicht zu konstruieren, aber kaum konsistent umsetzbar
Der Ansatz verzichtet daher bewusst auf Prognosen und arbeitet ausschließlich mit bestätigten Marktinformationen.
6. Steuern und Handelskosten: legitimer Einwand, bewusste Abwägung
Befürworter eines reinen Buy-&-Hold-Ansatzes führen häufig steuerliche Effekte und Transaktionskosten als Gegenargument an. Insbesondere in Deutschland führt ein Verkauf realisierter Gewinne zur sofortigen Besteuerung (Abgeltungssteuer), wodurch beim Wiedereinstieg nominal weniger Kapital zur Verfügung steht.
Dieses Argument ist sachlich korrekt und sollte nicht ausgeblendet werden. Gleichzeitig ist es eine Frage der Zielsetzung: Wer größere Drawdowns bewusst reduziert und längere Abwärtsphasen meidet, akzeptiert die steuerliche Belastung als eine Art Kosten für Kapitalschutz und Stabilität.
Zudem wirkt sich der Steuereffekt vor allem dann nachteilig aus, wenn häufige Umschichtungen erfolgen, was bei einem Wochen-basierten Ansatz ausdrücklich nicht vorgesehen ist.
Transaktionskosten selbst spielen in der Praxis meist eine untergeordnete Rolle. Bei langfristig orientierten Signalen auf Wochenbasis ist die Umschlagshäufigkeit gering, und die Kosten – insbesondere bei modernen Brokern – liegen in der Regel deutlich unter der Marktschwankung.
7. Psychologische Tragfähigkeit als unterschätzter Erfolgsfaktor
Theoretisch funktioniert Buy & Hold nur, wenn Anleger große Drawdowns auch praktisch aushalten. In der Realität verkaufen viele Investoren gerade in Phasen maximaler Unsicherheit – meist zu ungünstigen Zeitpunkten.
Ein regelbasierter Ansatz reduziert diese Gefahr, weil Entscheidungen:
vorab definiert
emotionsarm
und nachvollziehbar sind
Die psychologische Entlastung ist dabei kein Nebeneffekt, sondern ein zentraler Bestandteil der Strategie.
8. Reproduzierbarkeit statt Einmal-Treffer
Der vielleicht wichtigste Punkt zum Abschluss: Das Drei-Filter-Modell zielt nicht auf spektakuläre Einzelergebnisse, sondern auf Reproduzierbarkeit. Er lässt sich:
regelbasiert umsetzen
über Jahre hinweg konsistent anwenden
unabhängig von Markteinschätzungen reproduzieren
Dieser Ansatz ist kein Rendite-Booster, sondern ein Stabilisator im Entscheidungsprozess. Seine Stärke liegt weniger in der absoluten Performance als in der Qualität und Beständigkeit der Entscheidungen, die er ermöglicht.
🔖 Fazit: Ein einfaches Modell mit klarer Rolle
Das vorgestellte Drei-Filter-Modell verfolgt einen bewusst reduzierten Ansatz. Es kombiniert:
einen Trendfilter (Weekly SMA 30),
ein Momentum-Kriterium (MACD > 0),
sowie ein Maß für Trendstärke (RSI ≥ 55).
Diese drei Komponenten decken unterschiedliche, aber komplementäre Marktinformationen ab. Ziel ist nicht, jede Marktbewegung mitzunehmen, sondern strukturelle Phasen zu unterscheiden:
Investiert sein, wenn ein belastbarer Aufwärtstrend vorliegt und bewusst zurücktreten, wenn dieser bricht.
Einordnung im Vergleich zu Buy & Hold
Im direkten Vergleich mit einem klassischen Buy-&-Hold-Ansatz zeigt sich ein differenziertes Bild. Die folgende Gegenüberstellung zeigt: Das Modell ist weder grundsätzlich überlegen noch unterlegen, sondern erfüllt eine andere Funktion.
Marktorientierung
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐⭐
Buy & Hold: ⭐
Drawdown-Reduktion
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐⭐
Buy & Hold: ⭐
Kapitalerhalt in Bärenmärkten
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐⭐
Buy & Hold: ⭐
Partizipation in Bullenmärkten
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐
Buy & Hold: ⭐⭐⭐
Timing-Präzision
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐
Buy & Hold: ⭐
Einfachheit der Umsetzung
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐
Buy & Hold: ⭐⭐⭐
Psychologische Tragfähigkeit
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐⭐
Buy & Hold: ⭐⭐
Steuerliche Effizienz
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐
Buy & Hold: ⭐⭐⭐
Reproduzierbarkeit
Drei-Filter-Modell: ⭐⭐⭐
Buy & Hold: ⭐⭐⭐
Was dieser Ansatz leistet und was nicht
Das Drei-Filter-Modell ist kein Rendite-Booster und kein Prognoseinstrument. Seine Stärke liegt nicht im perfekten Timing, sondern in der Qualität der Entscheidungen, die es ermöglicht:
Es bietet Orientierung in komplexen Marktphasen.
Es hilft, große Fehler zu vermeiden, statt kleine Vorteile zu optimieren.
Es ist einfach genug, um konsequent umgesetzt zu werden.
Buy & Hold bleibt ein robuster Ansatz – insbesondere für Anleger mit hoher Risikotoleranz, langem Zeithorizont und der Fähigkeit, große Drawdowns auszuhalten. Das hier vorgestellte Modell richtet sich dagegen an Investoren, die Struktur, Risikokontrolle und psychologische Stabilität höher gewichten als maximale Marktpartizipation.
Oder anders formuliert:
Nicht besser oder schlechter – sondern anders positioniert.
Was hältst du vom Gedanken des taktischen Investierens und vom Drei-Filter-Modell?
Teile gern deine Gedanken dazu unten in den Kommentaren. Ich freue mich auf den Austausch und unterschiedliche Perspektiven. ✍️
Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal,
Daniel aka Whirlwind360
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